Hallo,
dies sind Emails gewesen, die ich damals an alle meine Freunde geschickt habe, damit ich nicht ständig am Telefon gefragt werde. Erst jetzt, ein Jahr danach, kann ich gut darüber reden und möchte meine Geschichte bzw. die unserer Tochter mitteilen.
Melina Yasmin 1490g,39cm,30.SSW
Wenn Ärzte falsch entscheiden...Vergangenen Mittwoch war ich zur normalen Untersuchung bei Dr.H. und ab Mittwoch Nacht war mir schlecht, sodass ich gedacht habe, dass ich eine Magendarmgrippe hätte.Melina (unsere Tochter) lag noch mit dem Kopf nach oben und fing irgendwann an sich zu drehen,wie sich im Nachhinein rausstellte.Übelkeit und Erbrechen hatten mich im Griff, ich konnte weder schlafen, noch mich außerhalb des Bettes bewegen.Bis Freitag Mittag, da habe ich mich dann kurz vor 12 zu meiner Allgemeinärztin aufgerappelt. Die hatte Verdacht auf Schwangerschaftsvergiftung und meldete mich noch schnell bei Frau Dr. S. an (hat mit Dr.H. eine Gemeinschaftspraxis-Dr.H. war aber nicht mehr da). Nach dem CTG und MumuTest war alles okay und sie verordnete mir eine Diät, weil sie auf Magendarmgrippe schloss.Freitag abend so gegen 23.15Uhr wachte ich dann auf, weil ich schon wieder sowas schwammiges bemerkte und dachte, die Fruchtblase wäre geplatzt.Das halbe Bett voll Blut.Mein Mann hat dann den Krankenwagen geholt und unterwegs setzten dann auch alle 8 Min. die Wehen ein.Im Kreißsaal wurden sie von Minute zu Minute hektischer und eröffneten mir dann "Frau S.(ich)-wir müssen ihr Baby holen" Vollnarkose,Zeitdruck und ich zu nichts mehr fähig. Mein Mann stand daneben und beobachtete alles. Er sagte, sie waren wie die Ameisen. Innerhalb von 15 Minuten wurde das komplette Ärzteteam zusammengestellt und innerhalb von 5 Minuten Melina Yasmin geboren.Der Arzt öffnete die Narbe und das Erste, was ihm entgegenkam, war die abgelöste Plazenta. Dann nahm er die vollständig gefüllte Fruchtblase mit unserer Tochter raus und und befreite sie. Sie hatten drei Minuten Zeit zwischen Plazentaablösung und Melinas Geburt,denn du musst dir vorstellen, dass dir einer den Hals würgt und du komplett von allem abgeschnitten bist.Drei entscheidende Minuten...Melina lebt!
Sie kam sofort in den Inkubator und wir hoffen jeden Tag mit ihr,dass sie es schafft! Sie ist ein tapferes kleines Mädchen.Kommt mittlerweile ohne Atemhilfe alle drei Stunden aus und rappelt sich hoch. Im Gehirn ist noch Wasser,welches aber jeden Tag geschallt wird, um Hirnblutungen zu vermeiden.Eine Herzarterie,die in der Schwangerschaft für die Aufnahme von Sauerstoff aus meinem Blut zuständig war, wird jetzt innerhalb von 3 Tagen mit Medikamenten geschlossen.Ihre Lungenreifung ist sehr gut vorangeschritten und auch sonst mit der Muttermilch merkt man von Tag zu Tag wie es ihr besser geht. Sie ist ein gesundes Frühchen, dass nur einfach durch mich zu früh auf die Welt gekommen ist.Der Arzt sagte später, das er in seinen 16 Berufsjahren noch nie sowas dramatisches erlebt hatte. Wir hätten nur ein paar Minuten später beide nicht mehr hier sein können.Ich hatte sehr viel Blut verloren.Darüber wollen wir nicht mehr nachdenken! Unsere Tochter lebt und das ist das Einzige was zählt! Gestern wurde ich mehr oder weniger entlassen und fahre jeden Tag Mittags in die Klinik zu ihr.Vor drei Tagen durfte ich sie das erste Mal im Storch an Arm und Hand berühren, in wenigen Tagen darf ich sie mal kurz halten. Jedes Mal, wenn ich vor ihr stehe laufen mir Tränen übers Gesicht ...vor Freude...weil sie so tapfer ist! Anfang Mai, also in 7 Wochen ca wird sie entlassen.
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Hallo ihr Lieben,
wie versprochen halte ich euch auf dem laufendem, was Melina angeht.
Seit ca 5 Tagen dürfen wir nun auch mit unserer Tochter kuscheln. So genanntes kanguruing (sie liegt mit ihrem kleinen Körper auf unserer Brust) macht das möglich. Durch den intensiven Hautkontakt bekommt sie das Gefühl nicht allein zu sein und genießt es mindestens genauso, wie wir.Vorgestern war ich ziemlich erschrocken. Sie hatte einen neuen Zugang in den Kopf bekommen und an jedem Arm und Beinchen eine Manschette.Das rechte Bein war mit dem rechten Arm zusammengebunden...das ganze hatte aber den Sinn, dass sie sich den Zugang nicht aus dem Kopf reißt.Die Manschetten waren zur Überwachung. Also alles halb so wild! Sah nur alles brutal aus.Sie hatte einen Infekt und bei so ganz kleinen ist es schwierig die Zugänge für mehrere Tage frei zuhalten.Hände und Arme sind schon ganz schön zerstochen und müssen erst zuheilen.
Mittlerweile wiegt sie über 1500g und hat sogar schon 5 ml alleine aus der Flasche getrunken- den Rest per Sonde, wie immer. Es geht ihr wirklich gut! Heute hatte sie zum ersten Mal einen kleinen Body an...das sah so süüüß aus.
Alles weitere nächste Woche!
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Neuigkeiten von Melina: Sie ist in ein anderes Zimmer zu den "Großen" gezogen und liegt jetzt in einem einfachen Wärmebettchen (da wärmt nur noch die Matratze und nicht, wie im Inkubator, die Luft). Wiegt mittlerweile über 2200g und hat fast die Größe eines normalen Neugeborenen (46cm). Kurz gesagt: Es geht ihr gut!
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Melina wurde Ende April aus dem Krankenhaus entlassen. Sie hatte noch etliche Wochen danach einen Überwachungsmonitor bei sich,der die Atemaussetzer kontrollierte und uns im Notfall gewarnt hätte.Sie ist jetzt ein Jahr und zwei Monate alt, bekommt öfter Physiotherapie und Frühförderung,weil sie vom Stand eines etwa 9mon. Babys gleicht. Sie sitzt, aber nur wenn man sie hinsetzt.Sie schafft es nicht alleine hoch.Sie robbt aber ist so sonst topfit.Essen ist nicht sooo gut aber trinken tut sie jetzt wenigstens regelmäßig.Wir mussten ihr zeitweise das Wasser reintropfen mit einer Pipette,da sie das Trinken komplett verweigert hatte.
Diese vielen Überwachungen und ständigen Arzttermine waren echt nervend.Melina hatte kaum das sie zuhause war Dreimonatskoliken und schlief bis sie knapp ein Jahr war nicht durch. Unsere Nerven lagen blank und auch jetzt erst konnte ich mich an sie gewöhnen.Sie war da aber sie gehörte nicht wirklich zu mir. Deswegen bitte ich alle, die das lesen und Einfluss darauf haben:
-Nehmt das Babybett aus den Zimmern der Mütter...man kommt sich vor wie jemand, der sein Kind verloren oder weggegeben hat...das ist schrecklich!
-Ich durfte am ersten Tag als mein Baby geboren wurde nicht zu ihr auf die Intensivstation, da ich mich nicht hinsetzen konnte und das Bett nicht durch die Tür gepasst hätte.Wisst ihr wie schlimm das für eine Mutti ist das eigene Baby nicht zu sehen?! Mein Mann hat Fotos von ihr gemacht und sie zuhause schnell ausgedruckt und sie zu mir auf den Nachttisch gestellt, damit ich sie sehen konnte.Mein Kreislauf war nicht stabil genug, damit ich in den Rollstuhl nach oben gebracht hätte werden können.
-Erst Tage danach durften wir sie ganz kurz berühren und ich glaube nach 2 Wochen durfte wir mit ihr kurz kanguruhen, da sie sehr schnell auskühlte.Wo war der Sehlsorger für die Ängste und Sorgen der Eltern?!?! Es war eine schlimme Zeit und von der psychischen Belastung ... Es hat gut ein Jahr gedauert bis ich meine Tochter richtig liebhaben konnte. Ich weiß nicht warum das so war aber ich denke es ist vermeidbar! Ich will damit sagen, das der Kontakt zu Mutter/Tochter intensiver sein könnte und meine damit nicht sie aus dem Brutkasten zu nehmen und zu riskieren,dass sie auskühlt.Aber die Distanz die in dieser Zeit zwischen uns war hat mich von ihr weg getrieben.Ich hatte keine Beziehung zu ihr...
Es ist alles etwas langsamer aber sie ist ein wunderbares kleines Mädchen!!!
...ich weiss sehr viel Text

aber danke fürs zuhören!